hamburg - joinville

Das Hotel de L'Europe 1849 in Hamburg

Die Einwanderung von Hamburg, Deutschland, nach Santa Catarina, Brasilien

Anlass

Europa im Jahre 1848, die Zeit der Revolutionen, sowohl in Frankreich als auch in Deutschland. Der Wechsel hin zur Industrie brachte eine hohe Arbeitslosigkeit mit sich. Die Verantwortlichen in den Regierungen waren nicht mehr in der Lage, die Bevölkerung zu ernähren.

In Hamburg regte der Senator Sieveking an, die Menschen in andere Länder zu überführen. In Frankreich wurde der König abgesetzt und begab sich mit seiner Familie ins englische Exil nach in Esher (Surrey), wo Königin Victoria ihnen das Claremont House zur Verfügung stellte. François-Ferdinand-Philippe-Louis-Marie d’Orléans, prince de Joinville war der dritte Sohn des abgesetzten Königs.

So begab es sich, dass der Christian Matthias Schröder die Nachfolge seines verstorbenen Vater als Senator im Hamburger Senat übernahm und die Anregung des Senator Sieveking aufnahm. Die Familie Schröder war Eigentümer mehrerer Schiffe und Lagerhäuser in Hamburg und England. Über den Konsul Schröder in Rio de Janeiro, kam man mit dem dortigen Kaiserhaus in Kontakt, dessen Wunsch es war, den Süden, schon aus Gründen der Sicherheit, mit Europäern zu besiedeln.

Im Staate Santa Catarina besaßen der Prinz von Joinville und seine Gattin, Prinzessin Francisca größere Ländereien. Beide waren inzwischen hoch verschuldet. Durch Vermittlungen durch den Anwalt des Prinzen, Herrn Aube, dem Bruder des Herrn Schröder in England, sowie dem Konsul Schröder in Rio de Janeiro, kam man in Kontakt und traf Vorbereitungen zum Wechsel der Eigentumsverhältnisse in Santa Catarina. Herr Schröder hatte die Bedingungen umzusetzen, die vertraglich festgehalten werden sollten. So wurde von ihm ausgehend der Hamburger Colonisations Verein von 1848 gegründet. Dieser Verein brachte die erforderlichen Beträge zusammen, die das Vorhaben forderte.

So kam es zu dem verschleierten Vertrag über den Verkauf der Ländereien. Die Übernahme war an Bedingungen geknöpft, welche das Kaiserhaus zu diktieren hatte, denn dieses hatte die Ländereien dem Ehepaar, Prinz von Joinville und Prinzessin Francisca, zu deren Hochzeit geschenkt, nicht jedoch die Regierungsgewalt damit verbunden.

Die Gründe, die in der damaligen Zeit zur Besiedelung führten, sind eigentlich bekannt:

 

  1. Hier lag Land brach, welches vom Kaiserhaus der Prinzessin Francisca, als Mitgift, zugeschrieben wurde.
  2. Dieses Grundstück brachte die Prinzessen in die Ehe mit dem Prinzen von Joinville, Sohn des Königs Phillipp, ein.
  3. In Europa, also auch in Hamburg, herrschte nach der Bodenreform unter Aufgabe der Hufen, eine hohe Arbeitslosigkeit. Arme Instner konnten nicht mithalten, als der Großgrundbesitz nun mit Maschinen anstelle von Pferd, Ochse und Pflug, bestellt wurde. Die Regierungen rieten zur Auswanderung in angrenzende und auch weiter entfernte Gebiete (. Nord- und Südamerika, aber auch Ungarn etc). Es wurden auch Besiedelungen in Brasilien ins Auge gefasst, scheiterten jedoch oft an den ständig wechselnden Ministern unter Pedro II.
  4. Infolge von Kriegen verlor Brasilien den Anspruch auf das heutige Uruguay; im Süden begehrten die Staaten Santa Catarina und Rio Grande do Sul die Loslösung von Brasilien. Der Regierung unter Pedro II, musst also daran gelegen sein, diese Gebiete politisch zu festigen.
  5. Mit der Absetzung des König Phillipp in Frankreich wurde auch das Vermögen der Familie beschlagnahmt und entzogen. Der Prinz von Joinville verlor auch sein Amt als Admiral. Die Familie fand ein Asyl bei der Königin von England in Ester Surrey.
  6. Diese neue Lage für die Familie führte zur Verschuldung; es war auch nicht ausgeschlossen, dass sie auch ihre Grundstücke in Brasilien verlieren könnten. Das Verfahren wegen der Einsprüche dauerte an. Das Prinzenpaar musste aber damit rechnen, einen Prozess nicht gewinnen zu können. Letztlich wurde es dann auch aufgefordert unbeweglichen Beisitz zu verkaufen.

 

Wenn man diese Lage betrachtet, zeigt sich auf, dass es dem Prinzen daran gelegen sein musste, seine Schulden loszuwerden. Allerdings war er nur Grundstückseigentümer. Ein Verkauf war von der Zustimmung des Kaiserhauses abhängig. Letztlich genehmigte Pedro II einen Verkauf zur Besiedelung unter bestimmten Bedingungen. Das Prinzenpaar setzte sich daraufhin mit Herrn Senator Schröder aus Hamburg in Verbindung, wobei sicher auch der Hamburger Konsul in Rio de Janeiro, Sohn des Herrn Schröder, und sein Bruder, der die Firma Schröder in England betrieb, eine vermittelnde Rolle einnahmen.

In Hamburg wurde nun unter dem Namen Kolonisationsverein von 1849 Hamburg, ein Verein gegründet durch deren Mitglieder die erforderliche Summen aufgebracht wurden, das Projekt zu finanzieren. Zur Aufsetzung des Vertrages kam der Bevollmächtigte des Prinzenpaares, Herr Aube nach Hamburg. Der Vertrag wurde vom Staatsnotar, Edmund Schramm aufgesetzt und von den Beteiligten im Notarbuch unterschrieben.

Mit den Schiffen des Herrn Schröder wurden Personen nach Sao Francisco gebracht, um die vertraglichen Verpflichtungen mit der Regierung unter Pedro II nachzukommen.

Da sich die Leitung des Vorhabens vor Ort als enorm schwierig erwies, viele Einwanderer waren dem Alkohol mehr zu getan, als anderen Beschäftigungen, stellte Herr Schröder Offiziere ein, die nach dem verlorenen Krieg gegen Dänemark aus dem Heer entlassen worden waren (hierzu unter Vermerk Punkt 9 des Vertrages). Unter Ihnen wurde der Hauptmann, Herr Benno von Frankenberg und Ludwigsdorf als leitender Direktor angeworben. Ihnen ist es letztlich zu verdanken, dass, wahrscheinlich mit harter Hand, Ordnung unter den Arbeitern einkehrte.

Zu diesem Beitrag soll dem Leser Gelegenheiten gegeben werden, das geschriebene an Originalen zu überprüfen. Es ist menschlich verständlich, dass viele versuchten, den Werdegang der Einwanderung zur Domäne Dona Francisca sowie der Gründung von Joinville ihren eigenen Stempel aufzudrücken. Dem Verfasser geht es darum, anhand von Unterlagen und geschichtlichen Abhandlungen ein Bild aufzuzeigen, wie die Besiedelung vonstatten ging.

 

"Das Haus O., welches 1830 durch die Julirevolution auf den französischen Thron kam und 1848 durch die Februarrevolution wieder von demselben gestürzt ward, wurde durch Decret der französischen Nationalversammlung am 26. Mai 1848 aus Frankreich verbannt, und dies Decret blieb, trotz wiederholter Anträge Carnots in der Deputiertenkammer 1859 und 1851 auf Aufhebung desselben, durch die Kammermajorität in Kraft. Nur der Königin Victoria von Großbritannien sagte bei deren Besuch in Paris 1855 der Kaiser zu, dass der Witwe des Königs Louis Philipp kein Hindernis der Rückkehr nach Frankreich entgegengestellt werden sollte. Dagegen wurden von der zahlreichen Orleanischen Partei (s. Frankreich S. 499) mehrmals Versuche einer Annäherung der O. an die ältere Linie Bourbon (Fusion) gemacht., siehe ebenda (Gesch.)XII. B). Die Orleansschen Güter waren zweierlei Art: die Apanagengüter, welche Ludwig XIV. für O. bestimmte und welche von diesem, dem Gründer des Hauses O. fortgeerbt hatten, fielen 1830, als O. den Thron von Frankreich  bestieg, an die Krone und wurden durch Gesetz vom 2. März 1832 zur Civilliste geschlagen und nach der Vertreibung der O. vom Throne 1848 durch die Nationalversammlung als Staatseigentum erklärt. Die Privatgüter des Hauses O., welche durch Erbschaft, Heirath und Kauf an dasselbe gekommen und reines Privateigenthum waren, hatte O. unmittelbar vor seiner Thronbesteigung seinen Kindern durch Schenkungsacte vom 7. August 1830 zuschreiben lassen. Obgleich nun, nach dem Sturze des Hauses O. die Nationalversammlung 1848 diese Güter unter Sequester stellt, so wurde doch die beantragte Confiscation als ein Eingriff in das Privateigenthum zurückgewiesen, und auch die Regierung des Prinzpräsidenten Napoleon erkannte noch 1850 das Eigenthumsrecht der Familie O. an demselben an. Gleichwohl erließ dieserselbe Präsident der Republik in Bezug auf die Orleansschen Güter am 22. Januar 1852 zwei von dem Minister Casabianca unterzeichnete Decrete, von denen ersteres bestimmte, dass die Mitglieder der Familie O. deren Gattinnen und Gatten und Nachkommen in Frankreich kein be- und unbewegliches Eigenthum besitzen dürfen und gehalten wären, das freie Eigenthum binnen Jahresfrist, das belastete einer Liquidation und Discussion unterworfene aber ein Jahr nach unwiderruflicher Feststellung der Eigenthumsrechte zu veräußern, widrigenfalls diese Veräußerung durch die Verwaltung der Staatsgüter zu vollziehen sei."

 Siehe hierzu : http://de.academic.ru/dic.nsf/pierer/18443/Orl%C3%A9ans




 

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