hamburg - joinville

Das Hotel de L'Europe 1849 in Hamburg

 

Über den Zustand, den die Kolonie Dona Francisca im Jahre 1852 erreicht hatte, schickte deren neuernannter Direktor v. Frankenberg, der als Hauptmann in schleswig-holsteinischen Diensten gestanden hatte, einen anschaulichen Bericht an den Verein. Der “Grenzbote“ eine von Gustav Freytag und Julian Schmidt geleitete, in ganz Deutschland beachtete „Zeitschrift für Politik und Literatur“,  hielt ihn für so beachtenswert, dass er ihn im vollen Wortlaut abdruckte.

Bei Hauptmann v. Frankenbergs Eintreffen hatte die Leitung noch der junge Eduard Schröder. Dieser schickte Frankenberg  ein Boot entgegen, das der Flut wegen nachts um ein Uhr bestiegen werden musste. „Ich fand die Ufer der Flüsse an vielen Stellen durch die Flut unter Wasser gesetzt; dies, der Urwald und die unsichere Beleuchtung verursachten eben kein angenehmes Gefühl, was mich aber nur um so mehr auf die Kolonie gespannt machte. Endlich gegen sechs Uhr, liefen wir in den Matiasfluss ein und landeten.“

„Ich fand Herrn E. Schröder, an den Füssen leidend, im Bett. Dieses Fußleiden scheint hier ein jeder durchmachen zu müssen, da ich mehrere Kolonisten daran habe laborieren sehen: doch ist es mehr unbequem als schmerzhaft. Nachdem die Sonne den Nebel ganz heruntergedrückt hatte, und ich den ganzen freien Platz mit seinen Gebäuden übersehen konnte, wurde mir ganz leicht zumut, und Hoffnung für die Zukunft verdrängte das frühere beängstigende Gefühl“.

„ Den ganzen Tag, den 30., machten Herr Schröder, Herr Aube’, Herr Pabst und ich einen Ritt durch den Mittelweg, die „Picade Schweizer“,  wo ich schon ganz allerliebste Etablissements auf Hügeln und in Tälern sah. Das Terrain wird von den Flussufern landeinwärts überall hügelig. Eine wirklich sehr hübsche Anlage ist die der Ziegelei von elf Norwegern im Süden von Schrödersort. Der Boden ist durchgängig ein fetter Lehmboden, zum Teil (besonders auf Bergen) mit starkem Humus bedeckt, und ich halte es für eine reine Unmöglichkeit, dass hier nicht jeder sein Fortkommen findet, der nur etwas tätig sein will, er mag bauen, was er will: Kaffee, Zucker, Baumwolle etc.“

„Am letzten Sonntag machte ich von St. Francisco aus einen Ausflug nach Saby. Hier fand ich in einem kleinen Gärtchen eines Franzosen, neben einer Menge recht schöner europäischer Gemüse,  Weinreben, die schon recht schöne Trauben getragen hatten.: ein Dattelbäumchen, mehrere Feigenbäume, Quitten, Apfelbäume, aber unveredelt, die Cochenille, die Vanille, Indigo, Lorbeer und wenigstens 18 verschiedene Sorten der brasilianischen Kartoffel, Bananen und Ananas in Menge, ebenso Orangen- und Kaffeebäume. Ich habe von dem Kaffee getrunken: er war sehr gut. Für einen Sachverständigen würde die Kultur der Olive und der Maulbeere gewiss gewinnreich werden; Mais und Mandioca erwähne ich weiter nicht. –Die Pernambuco-Baumwollstaude wird von vielen Brasilianern zum eigenen Bedarf gepflanzt, und ich habe sehr hübsche Baumwolle aus dem Garten des Herrn Aube gesehen, und doch ist dieser erst dieses Frühjahr angelegt worden. Der Preis der Baumwolle, wie sie vom Baum kommt, mit Körnern, deren sehr viele sind, ist hier 4-5 Vintems 5= rund 2 Silbergroschen) das Pfund. In Zeit von einem Jahr kann es nötig werden, für die Kolonie eine Maschine zum Entkernen der Baumwolle anzuschaffen. Noch eine sehrt nützliche Pflanze ist der Rizinus, der einem jeden Kolonisten, da er sehr leicht zu ziehen ist, in Zeit von sechs Monaten hinreichendes Material zur Beleuchtung liefern kann. Das Wasser habe ich überall auf der Kolonie sehr wohlschmeckend gefunden. Es gibt eine Menge klarer Bäche; doch habe ich noch keinen gefunden, der meiner Ansicht nach sich für ein Wasserwerk eignete“.

Ich kenne bereits das ganze bis jetzt besetzte Terrain und habe von den Besitzern nur mit Freude von ihrem schönen Land sprechen hören; besonders waren die Guigerschen Leute ganz glücklich. Mit Ausnahme weniger sind die Kolonisten ein fleißiges Völkchen. Herr E. Schröder hat schon mehrere Ehekontrakte abgeschlossen; die Trauungen hat der Schullehrer vollzogen. Gottesdienst wird all sonntäglich vorläufig in einem Saal abgehalten. Schulunterricht ist bis jetzt noch nicht abgehalten worden, weil die meisten Kinder, um ihren Unterhalt zu gewinnen, zur Arbeit gehen müssen. Herr E. Schröder hat mir versprochen, bis nach Ankunft der ‚Gloriosa’ hierbleiben zu wollen; dann will er Herrn Dr. Haltenhof das Rechnungswesen übergeben; auch hofft er, dass bis dahin der Ingenieur Banholzert die Karte vollendet hat, um durch sie der hochlöblichen Direktion den Beweis seiner Tätigkeit zu geben…“

„Wie aus dem Schreiben bereits zu ersehen ist, habe ich der bisherigen Niederlassung, die von den Leuten kurzweg die Stadt genannt wird, den Namen Schröders-Ort gegeben (Bericht des Direktors Frankenberg von 1852), auch hat jede Picade ihren Namen erhalten, von denen ich durch Zusendung der Karte hoffentlich recht bald Mitteilung machen werde“.

„Meine Absicht geht nun dahin, in nächster Zeit das Terrain untersuchen zu lassen und –finde ich es dann hinreichend trocken- 80-100 Morgen abholzen und verbrennen zu lassen; das so gereinigte Land soll mit Mais besät und erst nach der Ernte sollen Kolonisten hingeführt werden. Dadurch hoffe ich die Unkosten des Holzschlages zurückzuerhalten und den ersten Bewohner gleich einen trockenen Wohnort bieten zu können.“ (Für eine Stadt (?Joinville?) waren im Vertrag 20 Morgen (5 ha) gefordert worden.)

„Könnten einige Handwerker veranlasst werden, nach der Kolonie zu kommen, so würden sie gewiss gute Geschäfte machen, z.B. Zimmerleute, Schmiede. Bäcker, Tischler etc.“

Die Zeitschrift schilderte ihren Lesern im Einzelnen, was der Verein für seine Kolonisten getan habe, und rühmte das wechselseitige Verhältnis: „Wohlwollen auf der einen Seite und Vertrauen auf der anderen. “Sie meinte, dass das erworbene Terrain für weit mehr als 20 000 Menschen ausreiche; auch ließe es sich wohl noch erweitern.

Der „Grenzbote’ schloss seinen Bericht mit folgender Feststellung: „Wenn es je eine deutsche Kolonisation gegeben hat, welche gewissenhaft, vorsichtig und wohlwollend, im größeren Stil und im richtigen Verhältnis der vorhandenen Mittel zu der beabsichtigten Anlage stattgefunden hat, so ist es diese, und die Herren Schröder wie die Männer welche mit ihnen die Leitung der Vereins übernahmen – außer Chr. Matth. Schröder und Comp. und Geo. Wilhelm Schröder noch A, Schramm, F. Gültzow und E.Merck-, haben sich Anspruch auf den Dank aller Deutschen erworben. Das ist die beste Tätigkeit des Kaufmanns, wenn seine Unternehmungen den eigenen Vorteil in großartiger Weise an Resultaten Knüpfen, welche für viele segensreich und beglückend sind.“



Link1 | Link2 | Link3

http://freitagabend.artisteer.net/galerie/

Copyright © 2011. All Rights Reserved.