hamburg - joinville

Das Hotel de L'Europe 1849 in Hamburg

Die Kolonie erhielt zu Ehren der

 

 

 

 Prinzessin von Joinville den Namen Dona Francisca die erste zu begründende Stadt sollte zu Ehren ihres Gatten „Joinville“ heißen; die erste Siedlung wurde zunächst „Schröderort“ genannt. Im Spätherbst 1849 wurde der Ingenieur H. Günther nach Rio de Janeiro entsandt; doch traf er, dort aufgehalten, mit den ersten Kolonisten erst im Mai 1850 –noch einige Monate vor Dr. Blumenau und den 17 Siedlern, mit denen dieser begann- in dem vom Prinzen abgetretenen Gelände ein.

Im Januar 1851 verließ ein Barkschiff mit 124 Kolonisten, die Vorschüsse erhalten hatten, Deutschland; drei weitere folgten noch in demselben Jahr, in diesem standen bereits ein Haus für den Ingenieur, ein Magazin, einige Kolonistenhäschen und ein großes Gebäude, in dem die Neuankommenden zunächst unentgeltlich untergebracht wurden; zum Gebirge hin war bereits ein Weg angelegt und auch schon bestimmt??, wo Stadt und Hafen Joinville angelegt werden sollten. (Anmerkung: Hier besteht ein ganz entscheidender Widerspruch, denn noch 1952 bestimmte der Direktor die „Stadt“ erhalte  den Namen Schrödersort. Erst nach Einarbeitung in das Amt, legte er im Oktober 1952 fest, wo die Stadt Joinville liegen sollte.) Unter den Passagieren hatte sich bereits ein medizinisch ausgebildeter Apotheker befunden; auch war bereits ein gut empfohlener Schullehrer engagiert, der zunächst den Gottesdienst abhalten sollte.

Die ersten Erkundigungen an Ort und Stelle hatten die Söhne Schröder eingezogen. Sie hatten –unterstützt von Dr. Köstlin- in Begleitung eines Ingenieurs da Terrain besichtigt und vermessen, die ersten Lichtungen angelegt und den Bau der Häuser eingeleitet, so das die ersten Ankommenden alles besser vorbereitet fanden als in Blumenau.

Die Finanzierung des im März 1851 publik gemachten Projektes, dessen Bilanz im Voranschlag mit 393 000 Bancomark ausbalanciert war, wurde so gedeckt: es sollten 1000 Aktien zu 200 Bancomark (100 Preussische Thaler) ausgegeben wurden, die nur zur Hälfte bezahlt zu werden brauchten. Für die projektierte Stadt Joinville wurden 1000 Plätze von 1 Morgen Größe vorgesehen, die teils zu 25, teile zu 5 Thalern abgegeben werden –bei vollständigem Verkauf musste das 318 000 Bancomark ergeben. Diesen Einnahmen standen die Honorare für den Direktor, einen Ingenieur, den Magazinaufseher, einen Gärtner in dr geplanten Pflanzenschule, Subventionen für den Arzt und Apotheker und –auch für den Prediger und den Schulleiter, Ausgaben für Gebäude, Wege und die Anlage von Lichtungen, ferner ein beträchtlicher Posten für Vorschüsse und kleinere Beträge mancherlei Art gegenüber.

*Bemerkung: Bancomark

Die Einlagen, also Münzen verschiedener Sorten und Edelmetalle, die die Kaufleute einzahlten, wurden in den Büchern der Hamburger Bank in Mark Banco verzeichnet. Diese war eine reine Rechenwährung, das heißt, sie wurde nicht ausgeprägt und existierte nur in den Büchern der Bank. 1622 entsprach eine Mark Banco einem Silbergewicht von 8,66 Gramm. Da die Mark Banco so gesehen einem stabilen Wert entsprach, wurde sie im Großhandel und im Hypothekengeschäft als Währung benutzt und auch die Kaufleute führten ihre Bücher in Mark Banco. Außerdem wurden regelmäßig die Kurse zu anderen Währungen und Waren veröffentlicht. Später wurde auch in Hamburg eine Mark ausgeprägt, die Mark Courant (Bco) genannt wurde und deren Wert sich von der Mark Banco unterschied. Siehe Wikipedia Hier soll es sich um Münzen gehandelt haben, deren Silbergehalt ihrem Wert entsprach.

 

Der Hamburger Prospekt rechnete den Aktionären vor, dass das angelegte Geld sich binnen weniger Jahre gut vermehren werde –aber das war offensichtlich eine bewusst optisch zurechtgemachte Rechnung. Es ist unbekannt, ob der Gründer des Vereins, zu dem noch Ernst Merck und der Kaufmann Friedrich Gültzow traten, etwas an diesem Unternehmen verdient haben –sollte das der fall gewesen sein, so hätten alle zweifellos über sicherere Möglichkeiten verfügt, ihr Geld gewinnbringend anzulegen. Sie taten es der Sache wegen.

Die Begründung, die dem Prospekt vorausgeschickt wurde, benutzte natürlich die Argumente, die seit Jahr und Tag vorgebracht worden waren, fügte aber noch einige Überlegungen hinzu, die man sonst nicht so las.

Der Hauptgedanke war, dass man die nun einmal unvermeidliche Auswanderung so lenken müsse, dass die aus der Heimat Abwandernden sich nicht selbst überlassen würden und dann womöglich in Kummer und Elend untergingen oder zu niedrigen Arbeiten gezwungen seien, die sie zu Haus verschmäht hätten., dass man also wahre „Kolonisation“ treibe.

Ein solcher Abfluss von Arbeitskräften habe sein Gutes. An sich herrsche in Deutschland kein Überfluss von Menschen, jedoch bestehe eine Überfüllung in der unteren Klasse. Die Konkurrenz, die daher unter den erwerbs- und mittellosen Menschen bestehe, werde sich mit  jedem Auswanderer vermindern und damit auch die im Untergrund lauernde soziale Gefahr: „Diese Klasse ist zwar noch nicht das Proletariat, jedoch durch einen Schritt moralischen Versinkens geht aus ihr das Proletariat hervor“. Früher sei dieses von den Söldnerheeren aufgesogen; das sei jetzt nicht mehr der Fall.

Daraus ergab sich für den Verein die Folgerung, man müsse sich besonders um die Auswanderung der ganz Mittellosen bemühen, was durch Vorschüsse auf die Passage und Darlehen während der Anfangszeit in der neuen Heimat möglich zu machen sei.

Der Prospekt legte den Finger auf die Tatsache, dass die 60 000 bis 80 000 Auswanderer, die Deutschland Jährlich verließen, mindestens 15 Millionen Thaler mitnähmen, da sie vornehmlich den wohlhabenden Teilen der unteren Klasse entstammten, die an sich in Deutschland ein ausreichendes Leben  führen könnten, aber durch die Konkurrenz der Mittellosen weggedrängt würden. Dieses Kapital gehe Deutschland nicht nur verloren, sondern gebe anderen Ländern –hier war sicherlich vor allem an die Vereinigten Staaten gedacht- die Möglichkeit, deutschen Produkten Konkurrenz zu machen. Dadurch verschlechtere sich Deutschlands Lage; denn es sei –das war ein freihändlerisches Argument- nicht die Zahl der Menschen, sondern das Kapital, das Arbeit und Brot schaffe.

Wenn durch die Auswanderung die Gefahr herabgesetzt werde, dass das Proletariat zunehme und dadurch alle sozialen Verhältnisse bedrohe, habe das Vaterland allerdings eine gewisse moralische Verpflichtung, „seine weniger begünstigten Kinder nicht zu verstoßen, sondern mit väterlicher Pflege sie nach Möglichkeit in eine bessere Lage zu versetzen“.

Hinter diesen Überlegungen stand die Tatsache, dass Deutschland, nicht mehr in Stände gegliedert, sondern jetzt in Klassen gegeneinander tretend, begonnen hatte, sich in einen Industriestaat umzubilden, von dem niemand wusste, was er mit sich bringen werde. Die Erfahrungen die England gemacht hatte, die sozialistischen Lehren, die jetzt durch die Welt liefen, der Aufstand der schlesischen Weber, der sieben Jahre zurücklag, die bedrohlichen sozialen Symptome, die 1848/49 heraus getreten waren –das alles war schon Anlass genug, um sich zu überlegen, wie man der im „Proletariat“ schlummernden Gefahr rechtzeitig begegnen könne. Der Hamburger Verein hatte sich –wie man sieht- einen eigenen, in den Kolonisationsplänen der vierziger Jahre so zugespitzt wohl noch nie vertretenen Vorschlag zur Lösung dieses schweren Problems zurechtgelegt. Dieser war zwar „kapitalistisch“ ausgerichtet, aber noch –im Geiste der Vorfahren- gemeinnützig-patriarchalisch konzipiert.




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